Häufige Glasurprobleme – Schritt für Schritt zur Fehlerbehebung
Blasen in der Glasur? Glasur, die reißt, abblättert oder die falsche Farbe bekommt? Hier gehen wir die häufigsten Glasurprobleme durch und zeigen, wie man sie vermeidet.
Einführung
Die meisten Menschen, die mit Keramik arbeiten, stoßen irgendwann auf Glasurprobleme. Das Ergebnis wird nicht wie erwartet – die Farbe verändert sich, die Oberfläche bildet Blasen oder die Glasur reißt nach dem Brand.
Oft liegt die Ursache nicht in einem einzelnen großen Fehler, sondern in kleinen Abweichungen bei Temperatur, Auftrag oder Material. In diesem Leitfaden helfen wir dir, die Ursache zu identifizieren und systematischer für den nächsten Brand zu arbeiten.
Schritt für Schritt – so gehst du bei der Fehlersuche vor
1. Auftrag der Glasur überprüfen
Wie dick wurde die Glasur aufgetragen? Das ist eine der häufigsten Ursachen für unerwartete Ergebnisse.
Eine zu dünne Schicht kann zu blassen Farben oder fehlenden Effekten führen, besonders bei Effekt- und Kristallglasuren. Eine zu dicke Schicht kann hingegen Blasen, Verlaufen oder das Zurückziehen der Glasur (Crawling) verursachen.
Effektglasuren benötigen oft 3–6 Schichten, um sich richtig zu entwickeln. Die Anzahl der Schichten hängt auch davon ab, wie viel Glasur mit dem Pinsel aufgenommen wird. Deshalb ist es wichtig, auf einem Tonstreifen oder einer Testplatte zu testen, um zu sehen, wie sich deine Anwendung auf das Ergebnis auswirkt.
2. Richtige Temperatur sicherstellen
Schon kleine Temperaturunterschiede können große visuelle Veränderungen verursachen.
Ist die Temperatur zu niedrig, kann die Glasur matt oder unfertig wirken. Ist sie zu hoch, kann sich die Farbe verändern (zum Beispiel können violette Pigmente bei zu hoher Temperatur blau werden), Blasen können entstehen, die Glasur kann verlaufen oder sogar anfangen zu „kochen“.
Wenn sich das Ergebnis plötzlich von früheren Bränden unterscheidet – obwohl die gleichen Einstellungen verwendet wurden – kann es sinnvoll sein, die tatsächliche Temperatur des Ofens mit Kegeln (Orton Cones) zu überprüfen.
3. Kompatibilität zwischen Ton und Glasur prüfen
Wenn die Glasur:
- stark reißt
- an Kanten abplatzt (Shivering)
- nach dem Brand klickende Geräusche macht
- dazu führt, dass Tassen undicht werden
…kann das Problem sein, dass Glasur und Ton nicht zusammenpassen.
Alle Glasuren haben einen Wärmeausdehnungskoeffizienten, der mit dem Ton kompatibel sein muss. Wenn sie nicht zusammenpassen, entstehen Spannungen im Material. Das lässt sich leider im Nachhinein nicht reparieren – dann muss man Ton oder Glasur wechseln und eine neue Kombination testen.
Die Tone, die wir verkaufen, passen zu unseren Glasuren, sofern bei der jeweiligen Ton- oder Glasurproduktbeschreibung nichts anderes angegeben ist.
4. Zustand der Keramik vor dem Brand kontrollieren
Viele Probleme entstehen bereits, bevor das Stück in den Ofen kommt.
Ist das Stück vollständig trocken? Befindet sich Staub auf der Oberfläche? Wurde es korrekt geschrüht (Schrühbrand)?
Feuchtigkeit oder eingeschlossene Luft im Ton kann dazu führen, dass Stücke beim Schrühbrand explodieren. Staub oder Fett von den Händen kann dazu führen, dass sich die Glasur beim Glasurbrand von bestimmten Stellen zurückzieht. Es empfiehlt sich, geschrühte Keramik vor dem Glasieren mit einem leicht feuchten Schwamm abzuwischen.
Häufige Glasurprobleme
- Blasen in der transparenten Glasur - Werden häufig durch zu dick aufgetragene Glasur, noch feuchte Glasur beim Start des Brennvorgangs, zu hohe Brenntemperatur oder zu niedrigen Schrühbrand verursacht.

- Glasur zieht sich zurück (crawling) - Wird meist durch zu dick aufgetragene Glasur, das Abstoßen zweier Glasuren verschiedener Marken, Staub, Fett oder ungleichmäßigen Auftrag verursacht.

- Glasur ist nicht sichtbar - Kann entstehen, wenn die Oberfläche beim Auftragen mit ungewaschenen Händen berührt wurde (Fett von den Fingern).

- Die Farbe entspricht nicht dem Bild - Kann an zu wenigen Schichten, Inhaltsstoffen im Ton (z. B. Eisen) oder an einer abweichenden Brenntemperatur liegen.


- Glasur blättert nach dem Brand ab (shivering) - Ein Zeichen dafür, dass Ton und Glasur nicht kompatibel sind.

- Krakelee ist nicht sichtbar - Krakelee-Glasuren müssen häufig etwas dicker aufgetragen werden, und die Risse werden erst sichtbar, wenn nach dem Brand Farbe oder Tusche in die Oberfläche eingerieben wird.

- Risse / unerwünschtes Krakelee / zerbrochenes Keramikstück - Ein Zeichen dafür, dass Ton und Glasur nicht kompatibel sind.

- Pinholes / kleine Löcher in der Glasuroberfläche - Treten häufig auf, wenn Glasur auf eisenreichen Ton aufgetragen wird, was auch die Farbe der Glasur beeinflussen kann.

- Milchiger Schleier - Kann entstehen, wenn zu viel transparente Glasur auf das Stück aufgetragen wurde.

So lassen sich Glasurprobleme vermeiden
- Immer Testplatten bei neuen Glasuren oder Tonkombinationen herstellen
- Anzahl der Schichten und Brenntemperatur dokumentieren
- Bei Unsicherheit die Ofentemperatur mit Kegeln überprüfen
- Glasierte Stücke vor dem Brand vollständig trocknen lassen
- Materialien verschiedener Hersteller nicht ohne vorherigen Test mischen
- Sicherstellen, dass Tauchglasuren die richtige Dichte haben
Ein systematisches Arbeiten reduziert das Risiko unerwarteter Ergebnisse.
Zusammenfassung
Die meisten Glasurprobleme hängen mit drei Faktoren zusammen:
- Auftrag
- Temperatur
- Kompatibilität zwischen Ton und Glasur
Wenn man jeweils nur eine Variable verändert und methodisch testet, erhält man bessere Kontrolle über die Brände – und vorhersehbarere Ergebnisse.

